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Werden Informationen im Rahmen eines Vertragsverhältnisses bereitgestellt – z. B. ordnet eine Person ein Gutachten oder bestimmte Daten auf vertraglicher Basis an – werden die Beziehungen zwischen den Parteien, einschließlich der Haftung des Sachverständigen, durch den Vertrag geregelt (in der Regel ein Auftrag). Bei Vertragsverletzung können vertragliche Rechtsbehelfe nach LOA 100 ff. geltend gemacht werden. In Argumenten gegen die Haftung für Vertrauensbruch als unabhängige Haftungsgrundlage wird geltend gemacht, dass dies eine künstliche Erweiterung des Organs von c.i.c. darstelle. Letzteres sollte nur im Falle einer Verpflichtung vor Auftragserteilung oder bei einem „Ausfällen“ eines Auftrags aus irgendeinem Grund angewandt werden. Es wird auch geltend gemacht, dass eine solche Auslegung zu einer Verwischung der Grenze zwischen Vertrags- und Deliktsrecht führen und die Haftung nach dem Gesetz des Delikts für den Ausgleich rein wirtschaftlicher Verluste eröffnen würde. *93 In LOA Nr. 81 ist eine Vertragsregelung mit Schutzwirkung für den Dritten vorgesehen.

Ein solcher Vertrag geht mit der Verpflichtung einher, die Interessen oder Rechte des Dritten in gleichem Umfang zu berücksichtigen wie die Interessen oder Rechte des Verpflichteten. Diese Verpflichtung wird vermutet, wenn (a) die Interessen und Rechte des Dritten in gleichem Maße gefährdet sind wie die Interessen und Rechte des Verpflichteten, b) die Absicht des Verpflichteten, die Interessen und Rechte des Dritten zu schützen, und c) der Dritte und die Absicht des Verpflichteten zum Schutz der Interessen und Rechte des Dritten durch den Schuldner erkennbar sind. Bei Nichterfüllung der in einem solchen Vertrag genannten Verpflichtungen kann der Dritte Ersatz des hieraus entstandenen Schadens verlangen. *24 Ein weiteres Beispiel ist die Beendigung von Vertragsverhandlungen unter Verletzung des Vertrauens. Kann mit Sicherheit davon ausgegangen werden, dass der Vertrag nach Verhandlungen zwischen den Parteien geschlossen wird und dass vor Vertragsabschluss auf der Grundlage des dadurch geschaffenen Vertrauens Kosten anfallen, kann eine Partei die Kosten für die Verletzung von Treu und Glauben erstatten, wenn diese Partei sich weigert, den Vertrag zu einem späteren Zeitpunkt ohne triftigen Grund abzuschließen. Aufgrund des Grundsatzes der Vertragsfreiheit werden Kosten oder Schäden jedoch nur in eindeutigen Fällen gewährt. Mit dieser Kritik kann man sich nicht einverstanden halten. Der von der LOA und DCFR als Grundlage genommene Begriff des Deliktsrechts sowie der Begriff des Vertrags mit Schutzwirkung für einen Dritten im deutschen Recht stellen eine Verwischung der Grenze zwischen den Gesetzen des Delikts und dem des Vertrags dar. In einem Fall wird mit dem Gesetz des Delikts ein Weg für den Ausgleich für reine wirtschaftliche Verluste geschaffen, und im anderen Fall werden Personen, die nach allgemeinen Regeln nicht zum Schutzbereich des Vertrages gehören, künstlich in den Vertrag einbezogen. Daher gibt es „rein“ kein Gesetz des Delikts oder des „reinen“ Vertragsrechts. Vor diesem Hintergrund wäre die Anerkennung der Haftung für Vertrauensverletzungen als unabhängige Zusammensetzung der Haftung in ähnlicher Weise wie die Institution c.i.c. eher eine einfachere und klarere Lösung.

Gleichzeitig hindert die Unterlegung der Bestimmungen der Sachverständigenhaftung unter das Deliktsrecht und (stellvertretende) Anwendung der Bestimmungen des Deliktsgesetzes nicht daran, die Haftung des Sachverständigen als Haftung für Vertrauensverletzungen zu behandeln. Die Haftung für Vertrauensverletzungen wäre Voraussetzung dafür, dass die Bereitstellung eines Gutachtens als Vertrauensbildung angesehen wird, was in den hier behandelten Rechtssystemen bereits geschieht. Der Informationsanbieter kann die Zusammensetzung des Vertrauens einschränken, indem er die Daten, auf die er sich bei der Vorlage dieser Stellungnahme gestützt hat, vorlegt und die Daten angibt, die für eine vollständige Stellungnahme erforderlich sind. *83 Der Sachverständige kann dieselbe Methode anwenden, um seine Haftung auf den Kreis der Personen zu beschränken, die sich auf solche Informationen verlassen können, und um den Zweck zu bestimmen, für den diese Informationen verwendet werden können.